die Register der Orgel seit 2007

Pedalwerk

16´         Subbass(1967)
16´         Zartbass (1967 - Windabschwächung Subbass 16´)
  8´         Kupferoktave
(1967 als Kupferflöte)
  8´         Gedecktbass (2007 neu aus gebrauchten Pfeifen)
  51/3´     Bassquinte(1967 - ehemals mit 2 2/3´)
  4´         Choralbass (1967 - ehemals im Hintersatz)
4f. 2 2/3´ Hintersatz2 2/3´+2´+1 1/3´+4/5´ (2010 - 4/5´statt 1´)
  16´       Fagott(1967 - 2007 Zungen neu, Kehlen beledert)



alle Register wurden in der Intonation komplett überarbeitet

Koppel I / Pedal
Koppel II / Pedal

 

Hauptwerk

16´       Pommer(1967)
  8´       Prinzipal (1967 - 1997 neue Kerne - 2007 C, Cis neu)
  8´       Rohrflöte (1967)
  4´       Oktave
(1967 - 1997 neue Kerne)
  4´       Flöte
(2007 tiefe Oktave neu - ehem. Flachflöte 2´)
  2 2/3´  Nasat
(1967)
  2´       Superoktave
(1967 - ehem. im Schwellwerk)
1 3/5´   Terz
(2007 - komplett neu)
1 1/3´    Mixtur
(4-5fach)
  8´       Trompete
(2007 - komplett neu)

alle Register wurden in der Intonation komplett überarbeitet

Tremulant
Koppel II / I

 

Schwellwerk

  8´        Schwegel (1967)
  8´        Gedeckt
(1967)
  8´        Salicional
(bis Fis Gedeckt 8´, ab G neu - 2007)
  4´        Geigenprinzipal
(1967)
  4´        Blockflöte
(1967)
  2´        Querflöte
(2007 - komplett neues Register)
 2f. 2 2/3´ Sesquialter 2 2/3´+1 3/5´
(1967 urspr. mit Septime)
  1 1/3´  Gemsquinte
(1967)
  1´        Scharff
  (1967 - 2007 3fach statt 4fach)
  8´        Schalmei
(1967)

alle Register wurden in der Intonation komplett überarbeitet

Tremulant

 

1601/1602

Eine Orgel, vielleicht sogar die allererste, kam wohl unmittelbar im Zusammenhang mit dem großen Kirchenumbau 1601/1602 in die Petruskiche. Leider findet sich in alten Unterlagen dazu nur eine Andeutung, aus der allerdings sehr stark angenommen werden darf, dass es tatsächlich eine Orgel schon 1601/1602 gegeben haben muss.

Vielleicht war diese Orgel kein Neubau sondern "nur" ein gebrauchtes Instrument aus einer aufgegebenen Klosterkirche oder einer Stadtkirche, für die ein größeres Instrument angeschafft und das alte weiterverkauft wurde. Dennoch dürfte Renningen damit im Vergleich mit anderen Gemeinden schon erstaunlich früh zu einer Orgel bekommen sein.

Mit großer Wahrscheinlichkeit war diese Orgel ein kleines einmanualiges Instrument, vielleicht ähnlich der Orgel in der Weikersheimer Schlosskapelle, wie auf dem Bild digital etwas vereinfacht zu sehen.

1701 - 1808

Für das Jahr 1701 wird ein Neubau (8/I) für 295 Gulden durch Joh.Christoph Hertzer aus Schwäbisch Gmünd genannt. In diesem Zusammenhang findet sich diese Textstelle "... Die alte Orgel tat 100 Jahre ihren Dienst und wurde mit 75 fl. in Zahlung genommen ...", welche der Hinweis auf die früheste Orgel von 1601/1602 sein dürfte.

Für den Neubau einer Orgel (13 Register ?) 1808 erhielt Hagemann, Knecht aus Tübingen 1427 fl. Auch hier soll die Orgel von 1701 für 100 fl. in Zahlung genommen worden sein. Vielleicht blieb beim Neubau des Orgelwerkes wenigstens der Prospekt von 1701 erhalten. Denn die Zeichnung von Lehrer Höschele zeigt den Innenraum der Petruskirche vor der Umgestaltung durch Leins 1878 mit einem frübarocken Orgelprospekt auf einer Empore vor dem Chorbogen.

1726 - die Malmsheimer Orgel

Das Foto von 1914 zeigt das Innere der Malmsheimer Germanuskirche mit einer fast identischen Innenraumsituation wie auf der Zeichnung vom Lehrer Höschele. Auch in Malmsheim stand die Orgel von 1726 auf einer Empore, welche den Chorbogen völlig verdeckte und den Altarraum vom restlichen Kirchenraum abschnitt. Nach der Reformation wurden diese Altarräume im Osten liturgisch überflüssig und die Blickrichtung weg von Altar und Chor hin zur Kanzel, die sich oft auf der Nordseite befand, verändert.

Doch schon in der Zeit vor 1900 gab es eine Rückbesinnung und Neubewertung der Chorräume und Altäre. Eine große Umgestaltungswelle der meisten Kirchen in der Nachkriegszeit beseitigte fast überall diese Innenraumgestaltungen, wie auf dem Malmsheimer Foto gut erkennbar, und mit ihnen oft auch ihre alten Orgeln. Deshalb existieren in Renningen, Malmsheim und Umgebung leider so gut wie keine historischen Orgeln (weder Orgelprospekte noch alte Pfeifen) mehr.

1877

Glücklicherweise existieren einige Farbaufnahmen vom Innenraum der Renninger Petruskirche, wie er sich nach dem Umbau durch Friedrich Leins bis zum radikalen Umbau 1965 zeigte, darunter auch diese Ansicht mit der Orgel von 1877. Dieses Orgelwerk, opus 94 der Fa.Linck, ersetzte die Orgel von 1701 und wurde selbst ein Opfer der nächsten Innenraumumgestaltung im Jahr 1965.  Diese Orgel besaß 16 Register auf zwei Manualen. Eine Disposition konnte bisher noch nicht aufgefunden werden.

Laut mündlicher Überlieferung haben verstreut einzelne Reste diese brutale Umgestaltung überlebt, darunter angeblich Teile der Kanzel. 1965 wurde die bogenförmige Kirchendecke nur durch die neu eingezogene moderne Decke verdeckt und blieb mit einigen ihrer Engelsfiguren erhalten. Durch eine kleine Luke gelangt man auf die moderne begehbare Kirchedecke und blickt auf die Reste der einst reichhaltigen Ausstattung.

 

Orgeln sind interessante Einzelstücke und dem Raum angepasste Kunstobjekte. Ihre Prospekte (die Gehäuse) werden oft dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Das optische Äußere sagt aber nichts über den Klang der Instrumente aus. Manchmal werden vorhandene Orgelgehäuse bei einem Neubau wiederverwendet und nur das Innere mit den Pfeifen, die eigentliche Orgel, wird neugebaut. In Renningen verschwanden mit dem Gehäuse aber alle Pfeifen und die ganze Orgeltechnik.

Doch 2013 und 2014 sind tatsächlich wieder alte Holzpfeifen aufgetaucht, die ein Privatmann vor der Zerstörung 1965 bewahrt hatte. Diese Reste von Orgelregistern wie Flöte 8´, Flöte 4´, Bordun 16´, Flöte 8´ und Doppelgedackt 8´ und vergleichbare erhaltene Linckorgeln sowie überlieferte Dispositionen aus dieser Zeit vor 1900 lassen Rückschlüsse auf den Klang der Renninger Orgel von 1877 zu.

1967

Die Innenrenovierung 1965 hatte mit der gesamten Innenausstattung von Leins kurzen Prozess gemacht. Die neue Orgel, das Opus 1183 der Firma Weigle, Echterdingen kam 1967 mit 23 Registern als die bisher größte Orgel in die Renninger Petruskirche. Ihr moderner Prospekt ist ganz das Kind seiner Zeit. Leider drückt die neu eingezogene Decke nicht nur optisch auf die Orgel. Auch macht sich die für große Pfeifen zu geringe Höhe klanglich negativ bemerkbar.

Kleinere Umgestaltungen der Orgel-Disposition in den 80ern blieben ohne wesentliche klangliche Verbesserungen. 1997 erhielten die Pfeifen von Prinzipal 8´und Oktave 4´ im Hauptwerk durch OBM Johannes Kirschmann neue Kerne, durch Einsetzen neuer Pfeifen und Rücken der vorhandenen Pfeifen im mittleren und oberen Tonbereich und seine Neuintonation mehr Klangvolumen. Die Raumgestaltung von 1965 wurde bei der letzten Renovierung 2001 in ihrem Konzept beibehalten aber in vielen Details verbessert, mit positivem Einfluss auf die Akustik zugunsten eines lebendigeren Orgelklangs. Das Bild zeigt den aktuellen Zustand nach der Innenrenovierung von 2001.

2007 - 2010

Zahlreiche Orgelkonzerte, von 1992 bis zum Orgelfestival 2005 und dem 50ten Konzert zugunsten der Orgel, honorierten die Zuhörerinnen und Zuhörer mit großzügigen Spenden und schufen die finanzielle Grundlage zur Erfüllung des Wunsches nach einer im Klang aussergewöhnlich schönen Orgel. Mit der notwendig gewordenen Ausreinigung nach der Renovierung des Kirchenraumes wurde die Orgel nicht nur um vier neue Register erweitert sondern erhielt auch einen erheblich verbesserten Gesamtklang.

Vom Herbst 2006 bis ins Frühjahr 2007 wurde das Instrument ausgereinigt und von OBM Michael Mauch um vier neue Register erweitert. OBM Tilman Trefz verlieh der Orgel dank seiner Intonierkunst einen neuen, vollen, gesanglichen und viel schöneren Klang. Weitere Spenden ermöglichten schon im Mai 2007 die Anschaffung der noch fehlenden Pfeifen für das neue Register Salicional 8´. Nun verteilen sich nach diesen umfangreichen Arbeiten 27 klingende Register auf zwei Manuale und Pedal. 2010 verbesserte Tilman Trefz www.tilmantrefz.de noch einmal das Klangbild durch Neu-Intonation der Mixtur im Hauptwerk und der Aliquoten im Schwellwerk.

Diese komplette Umgestaltung durch OBM Michael Mauch (v.a. Konstruktion) und OBM Tilman Trefz (v.a. Intonation) schuf ein Instrument, das zum inspirierenden Anschauungsobjekt für ähnliche Umgestaltungswünsche von Orgeln der Nachkriegszeit geworden ist.

Doch damit hat die Geschichte dieser Orgel noch kein Ende. Das leise Pedalregister (Gedecktbass mit gebrauchten Pfeifen) soll mittels neuer Pfeifen in nicht allzu großer Ferne in einen Gemsbass umgestaltet werden.